Dr. Dirk Christian Gratzel, Unternehmer

Nach dem Studium der Rechtswissenschaft promivierte Dirk Gratzel im Bereich Gesellschafts- und Konzernrecht an der Universität Tübingen. I dieser Zeit war er auch journalistisch für das ZDF, dpa und Printmedien tätig. Es folgten mehrere Führungspositionen bei Unternehmen wie Daimler Benz AG, Flamm AG oder der Stockheim-Gruppe in den Bereichen Recht, Kommunikation und Geschäftsführung. Seit 2007 widmete er sich als Inhaber und CEO zunehmend Themen der angewandten Psychologie, zuletzt als Gründer des Unternehmens PRECIRE Technologies, das Psychologie mit Methoden künstlicher Intelligenz verknüpft.

2020 veröffentlichte Dr. Dirk Gratzel das Buch „Pfojekt Green Zero – Können wir klimaneutral leben?“ Es beschreibt sein Vorhaben, seine persönliche Ökobilanz auszugleichen. Dazu hat er in einem aufwändigen Projekt gemeinsam mit Wissenschaftlern der TU Berlin jeden noch so kleinen Aspekt seines Konsums und seines früheren wie aktuellen Lebensstils dokumentiert, um seine bisherige Ökobilant zu berechnen. Bis zum Ende seines Lebens will er seine aus diesen Daten von den Wissenschaftlern ermittelte Lebens-Ökobilanz durch einen umweltfreundlichen Lebensstil und größere Kompensationsprojekte ausgleichen.

Zum Vortrag:

27 Tonnen. Jedes Jahr. Nur durch ihn. 27 Tonnen CO2, die er jedes Jahr mit zu großen Autos, Flugzeugen, Fleisch und allen anderen Annehmlichkeiten, die man sich schließlich verdient hatte, in die Umwelt abgab. Damit hatte er rund 2,5 Mal so viel verbraucht wie ein durchschnittlicher Mensch in Deutschland. Und selbst der emittiert mit 11 Tonnen CO2 pro Jahr schon deutlich mehr, als er sollte. In einem einmaligen, wissenschaftlichen notierte Dirk Gratzel alles, was er verbrauchte – angefangen bei Lebensmitteln, Strom, Wasser, Verpackungen, hinzu kamen seine Möbel, Geschirr und Kleidung, egal ob Anzug oder Unterhose. Alles wurde notiert, akribisch bis ins kleinste Detail. Am Ende der Kalkulation, hochgerechnet auf sein Leben, notierten die Wissenschaftler um Prof. Dr. Matthias Finkbeiner von der Technischen Universität Berlin die Zahl seine CO2-Verbrauchs: 27 Tonnen CO2. Gratzel, der sich als fünffacher Vater versprochen hatte, seine Bilanz bis zu seinem Lebensende auszugleichen, krempelte sein Leben um: Aus dem Porsche wurde Hybrid, Fleisch gab es nur noch, wenn es selbst gejagt war, aus dem Flugzeug wurde die Bahn. Weil das zum Ausgleich allein nicht mehr reichte, kaufte er zwei brachliegende Industrieruinen, die er, ökowissenschaftlich betreut, renaturierte. Gratzel begann über sein Projekt zu reden. Und merkte: viele Menschen und Unternehmen wollten ausgleichen, wenn sie nur könnten.

Was mit einer hässlichen 27 begann, mündete erst im Projekt Green Zero und schließlich in Heimat-ERBE, Gratzels jüngstem, bisher einmaligem Projekt. HeimatERBE übernimmt riesige, degradierte Flächen und erlaubt Unternehmen, die ihre errechneten Umweltkosten ausgleichen wollen, in die Renaturierung der Flächen zu investieren. Unternehmen können so ohne Greenwashing wirklich etwas tun, Flächen werden als Naturflächen der Öffentlichkeit zurückgegeben – und die Menschen fangen an, sich Gedanken zu machen.

Dirk Gratzel erzählt davon wie es ist, wenn man vom Vielflieger zum undogmatischen Umweltunternehmer wird. Und wie wir alle mitmachen können.