Effi B. Rolfs

Effi B. Rolfs, geb. 1968 übernahm 1990 die Leitung und Geschäftsführung des gewollt unsubventionierten satirischen Theaters und Kabaretts „Die Schmiere“. Davor spielte sie bereits neben ihrem Vater Rudolf Rolfs und dessen Bühnenpartner Regnauld Nonsens in dem 1950 gegründeten Theater.
Bis heute hat sie in weit über 4000 Vorstellungen gespielt und gut 40 Bühnenstücke für die Schmiere produziert und teils geschrieben. Darüber hinaus bietet Effi B. Rolfs im Theaterkeller immer wieder in Veranstaltungen wie den „Immobilien-Skandal“ Raum für gesellschaftliche Fragen und Zukunftsideen und stellt in der Reihe „Achtung: Kunst“ Werke im Theaterkeller aus.

Bis 1990 studierte sie einige Semester Germanistik und Theaterwissenschaften und begann sich auch als freie Autorin zu betätigen. Doch damit nicht genug: Effi B. Rolfs hat viele Berufungen, Neigungen und Eigenschaften: Bildhauerin, Regisseurin, zertifizierte Waldführerin – die Palette ist vielseitig.
Ihrer neueste Berufung als Waldführerin geht sie u.a. in einem Infotainment-Bühnenprogramm „Ist das Wald oder kann das weg?“ nach.
Für Ihre unermüdliche kreative Arbeit wurde Effi B. Rolfs 2019 die Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main verliehen.

Kongressbeitrag:

Einblicke in einen Kulturbetrieb: 75 Jahre ohne Rettungsring – Theater, Transformation und Vision

Kultur ist nicht Freizeitgestaltung! Kabarett und Satire im Speziellen haben die wunderbare Möglichkeit, Menschen auf sehr individuelle Weise Input zu gesellschaftlich relevanten Themen und Aufgaben zu geben. Die Bühne spiegelt ihr Wohnzimmer, den Marktplatz, ihre Emotionen. „Wenn ich mir als Satirikerin keine ernsthaften Gedanken mache, wie kann ich es dann von der Politik oder Gesellschaft erwarten?“ – eine der Leitlinien von Effi B. Rolfs, die aus dem Alltag eines 75-jährigen Familienbetriebs erzählt, den sie vor über 30 Jahren übernommen hat. Eine Gratwanderung zwischen Unterhaltung, Aufklärung und moderner Unternehmensführung. Die Programme der Schmiere sind satirische, szenische Betrachtungen des realen Lebens, oft auch musikalisch unterlegt. Sie hält sich in ihren Bühnenproduktionen genauso den Spiegel selbst vor wie den Zuschauenden. Offen, ehrlich, gerne auch unbequem.

Die Theaterchefin ist überzeugt: „Freiheit ist viel mehr als man darf, das habe ich von meinem Vater gelernt.“ Und so arbeitet sie engagiert ohne doppelten Boden, ohne finanzielle Förderung in einer Spielstätte mit Tradition und Haltung. Dass ihr die Themen ausgehen, fürchtet sie am allerwenigsten, denn: „Theater geschieht vorwiegend nicht auf der Bühne“. Wie Effi B. Rolfs ihr Engagement im Theater auch auf gesellschaftliche und Umweltbelange ausweitet, wird im Vortrag aufgegriffen.